Einführung
Über die Herkunft der Türkisch Angora gibt es drei unterschiedliche
Versionen: Zum einen sollen Chinesen und Tataren sie vor langer Zeit aus
der wildlebenden Pallaskatze gezüchtet und in die Türkei gebracht haben.
Für diese Vermutung gibt es allerdings keine wissenschaftliche Erklärung.
Überzeugender ist die Version, die Türkisch Angora stamme von einer
alten russischen Katzenrasse ab, die ein ungewöhnlich langes Haarkleid
gegen die Kälte entwickelt hatte. Katzen dieser Art seien an Bord von
Handelsschiffen nach Kleinasien und sogar bis in den Iran gekommen. In
diesen wärmeren Gebieten hätten sich die (Türkisch) Angora- zu den
Perserkatzen entwickelt. Diese Version würde erklären, warum ausgerechnet
Langhaarkatzen nach heißen Ländern benannt worden sind. Der dritten
Version nach ist die Türkisch Angora im 15. Jahrhundert aus den
kalten Bergen Ostpersiens in die Türkei gelangt. Dort hat sich Haarkleid
angepasst: Dichte und Wolligkeit nahmen ab. In der Türkei hat es bald
mehrere Farbschläge der Türkisch Angora gegeben, jede mit eigenem
Namen. Rot Tabby etwa hieß sarmen, Silber Tabby teku. Eine weiße Katze mit
einem blauen und einem bernsteinfarbenem Auge wurde Angora kedi genannt.
Von manchen wurde dieser Farbschlag allen anderen vorgezogen und Puristen
halten ihn immer noch für die „einzige echte der Türkisch Angora“. Seit
dem 15. Jahrhundert ist die Türkisch Angora in der Türkei als eigene
Rasse bekannt. Sie war die erste Langhaarkatze, die nach Westeuropa kam.
Türkische Sultane sandten sie im 16. Jahrhundert als Geschenk an die Höfe
in England und Frankreich. Zu etwa der gleichen Zeit brachte der
französische Naturforscher Nicholas Claude Fabri de Pereise einige dieser
Katzen aus der Türkei mit nach Frankreich. Im 17. und vor allem gegen Ende
des 18. Jahrhunderts gesellte sich die Perser hinzu, deren Fell sogar noch
länger ist und die dann im 19. Jahrhundert die elegante Türkisch
Angora verdrängte, so dass diese im Westen fast ganz verschwand.
In den Sechzigern versuchten britische Züchter die Türkisch
Angora aus orientalischen Langhaarkatzen wieder heraus zu züchten. Die
Tiere hatten zwar bald das weiche Fell und den buschigen Schwanz der
Türkisch Angora, die typische Kopfform blieb jedoch aus. Der
charakteristische keilförmige Kopf der Orientalen widerstand allen
Züchtungsversuchen und blieb das Unterscheidungsmerkmal. Außerdem schlug
bei diesem Züchtungsversuch die lautere Stimme der orientalischen
Vorfahren durch.
Zum Glück war die ursprüngliche Rasse nicht ganz ausgestorben. Es gab noch
einige reinrassige Tiere in der Gegend von Ankara. Der dortige Zoo setzte
sich nun dafür ein, die echte Türkisch Angora dem Untergang zu
entziehen. Der Zoo nahm einige Exemplare auf und begann ein Zuchtprogramm,
bei dem nur weiße Katzen mit blauen, bernsteinfarbenen oder zweifarbigen
Augen zugelassen waren. Einige der Nachkommen der Zuchtkatzen wurden auch
ausgeführt; daher konnten in den Sechzigern zwei nicht miteinander
verwandte Katzenpaare Nordamerika erreichen, wo sie die Basis für eine
neue Zucht bildeten. Die Nachkommen dieser Katzen werden heute als
türkische Angora bezeichnet, um sie von den durch genetische Rekombination
entstandenen britischen Angorakatzen zu unterscheiden.
Die Wiedergeburt der Türkischen Angora in den Sechzigern ist besonders den
Bemühungen von Walter und Leisa Grant zu verdanken. Sie waren 1962 in
Ankara und kauften mit der Erlaubnis des Stadtkommandanten vom dortigen
Zoo ein Zuchtpärchen. Der weiße Kater Yildiz (Stern) hatte zwei
unterschiedlich gefärbte Augen, die ebenfalls weiße Katze Yildizcik
(Sternchen) hatte bernsteinfarbene Augen. 1966 brachten die Grants ein
weiteres Pärchen, Yaman und Marvis, in ihren Besitz: dieses Mal hatte der
Kater bernsteinfarbene Augen und die Katze hatte zweifarbige Augen. Mit
diesen Tieren begann die Wiedereinführung der alten Türkischen Angora, die
1970 in Amerika als eigene Ausstellungsklasse zugelassen wurde. In den
Siebzigern kamen mehr Tiere aus dem zoologischen Garten von Ankara, dieses
Mal nach Großbritannien und Schweden. Seitdem ist die Rasse wieder in
vielen Teilen Europas beheimatet.
Erscheinungsbild
Je her ist die türkische Angora eine Katze mit blauen Augen und einem
weißen, langen, weichen Fell. Am Hals ist das Haar besonders lang, an der
Körperunterseite und am Schwanz ebenso. Das und der Umstand, dass sie
keine Unterwolle besitzt, geben ihr ein schlankes Aussehen, was sie
zusammen mit dem buschigen Schwanz deutlich von der runderen Perser
unterscheidet, deren Fell schwerer wirkt. Angorakätzchen entwickeln nur
langsam das typische Fell der erwachsenen Tiere; erst im Alter von etwa
zwei Jahren hat es sich voll ausgebildet. Vielleicht wegen der großen
Hitze in ihrer Heimat verlieren Angorakatzen im Sommer sehr viel Fell, so
dass sie dann fast wie Kurzhaarkatzen aussehen.
Temperament
Die Türkisch Angora hat den Ruf artig, freundlich, zugänglich,
anspruchsvoll, sanft, ruhig, angenehm, zutraulich, aufmerksam, anhänglich
und intelligent. Manchmal ist sie scheu und zurückhaltend, dann wieder
extravertiert und gesellig. Sie bewegt sich anmutig, wenn auch selten, und
ist die perfekte Hauskatze. Eine der ältesten Beschreibungen der Rasse
stammt aus dem Jahr 1834 von William Jardine: „Angorakatzen werden
hierzulande häufig als Salonkätzchen gehalten. Sie gelten als sanfter und
freundlicher als gewöhnliche Katzen [...] Wir haben nicht viel über ihre
Nützlichkeit gehört.“ Charles Ross lieferte 1868 eine andere frühe
Beschreibung über die Angora: „Die Angora ist eine wunderschöne Rasse mit
silbrigem Haar von seidener Textur [...] Sie alle sind wunderbare
Geschöpfe mit freundlichem Wesen. In Paris sah Mr. Wood eine Katze, die
zwei Teller Mandelplätzchen in einem Rutsch aufaß. Diese Katzen haben
einen sonderbaren Geschmack. Ich kannte einen Kater, der fühlte sich zu
Gin und Wasser hingezogen und hatte eine ausgesprochene Vorliebe für
Curry. Er aß auch Erbsen, Grünzeug und (in Maßen) Saubohnen.“
Farbschläge
Ursprünglich war die Türkische Angora weiß mit blauen, bernsteinfarbenen
oder zweifarbigen Augen. Heute sind viele andere Farbschläge akzeptiert,
z. B. die Farben Weiß, Schwarz, Blau, Creme, Rot, Schwarz Smoke, Blau
Smoke, mit Tabbyzeichnung, gestromt und getigert sowie in Schildpatt und
als Bicolor.
FIFE-Standard "Türkisch Angora"
Allgemein:
Gesamteindruck:
Sehr gute
Proportionen in allen Bereichen, anmutig und geschmeidig, den
Eindruck von Anmut und fließenden Bewegungen ergebend.
Größe:
Weibchen mittelgroß;
Kater etwas größer
Kopf:
Form:
klein bis
mittelgroß, keilförmig,
breit an der Oberseite des Kopfes, leicht spitz zulaufend zum
Kinn.
Nase:
mittellang, konkav
geneigt ohne Stop oder "Break".
Kinn:
sanft gerundet, die
Kinnspitze bildet mit der Nase eine senkrechte Linie.
Kiefer:
spitz zulaufend.
Ohren:
Form:
lang, spitz, breit
am Ansatz, gut behaart und mit Büscheln.
Platzierung:
Hoch am Kopf
gesetzt, aufrecht.
Augen:
Form:
groß, mandelförmig;
leicht schräg nach oben gestellt.
Farben:
Alle Farben sind
erlaubt.
Nacken:
mittellang; schlank
und anmutig.
Körper:
Struktur:
feiner Knochenbau;
Brustkorb nicht stark ausgeprägt.
Der Rumpf ist schlank, anmutig, geschmeidig. Hinten etwas höher
als vorne.
Beine:
lang; Hinterbeine
länger als Vorderbeine.
Pfoten:
klein, rund und
zierlich. Haarbüschel zwischen den Zehen.
Schwanz:
lang und spitz
zulaufend, breit am Ansatz, schmal am Ende. Gut behaart.
Fell:
Struktur:
mittellang am
Körper, an der Halskrause lang.
Die Haare sind sehr fein und zeigen einen seidigen Glanz.
Das Fell ist seidig und fließend, leicht wellig am Bauch. Keine
Unterwolle.
Das Fell dieser Rasse erreicht zu keiner Zeit die
Länge des Fells anderer Semilanghaarkatzen.
Farben:
Alle Farben sind
erlaubt, inklusive aller Varietäten mit weiß,
mit Ausnahme von Abzeichen des Burma-Faktors, der Farben
chocolate und lilac,
cinnamon und fawn.
Anmerkungen:
Bei erwachsenen
Katern werden Katerbacken gestattet.
Im ersten Jahr ist die Halskrause noch nicht fertig.
Das Sommerfell ist deutlich kürzer als das Winterfell.